WArum flexible Sattelsysteme sinn machen

Pferde, Reitweisen, Bedürfnisse und Nutzung haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Starre Sattelsysteme sind oft auf eine Momentaufnahme angepasst – Pferdekörper hingegen verändern sich laufend.

Flexibilität wird damit zu einem entscheidenden Faktor für Passform, Bewegungsfreiheit und Wohlbefinden.

Historie

Der Mensch besattelt Pferde seit tausenden von Jahren und in dieser Zeit wurde so ziemlich alles ausprobiert was die Menschen für sinnvoll hielten, um das Gewicht möglichst gut auf den Pferderücken zu verteilen. Seit langer Zeit hat sich der konventionelle Holz-Stahlfederbaum etabliert.

Überlegen wir aber mal zurück – was hat sich in den letzten 20-40 Jahren in der Reiterei alles verändert? Nach dem Krieg änderten sich nicht nur die Beweggründe ein Pferd zu halten (vom Nutz- zum Haustier), sondern vor allem auch der Pferdetyp hat sich gewandelt. Mittlerweile reiten die Menschen in unseren Breitengraden glücklicherweise nur noch zu ihrer Freude (und im besten Fall auch zu der des Pferdes....).

Verbrachte man vor noch einigen Jahrzehnten täglich mehrere Stunden im Sattel auf einem bestimmten Typ Reitpferd, sind es heute im Durchschnitt nur noch wenige Minuten auf ganz verschiedenen Pferdetypen. Vom Isländer über den Spanier, Warmblüter, Tinker, Haflinger, Vollblüter... und allen erdenklichen Mischungen daraus findet sich heute in den Ställen ein buntes Potpourri an Pferdetypen. Die Pferde werden generell immer kürzer, immer beweglicher, die Reiter(hintern) eher immer grösser....

Oft funktioniert das Konzept, Pferd und Reiter auf einer möglichst grossen Auflagefläche in Einklang zu bringen nicht mehr, weil sich die Gegebenheiten gegenläufig zueinander verändern.

Warum flexibel

Flexible Sattelsysteme ermöglichen es, zeitnah und individuell auf körperliche Veränderungen des Pferdes zu reagieren.

Sie passen sich Bewegung und Form besser an und engen das Pferd weniger durch starre Strukturen ein.

Voraussetzung ist immer eine fachgerechte Anpassung und Begleitung.

Warum starre Systeme häufig an ihre Grenzen stossen

Pferde leben nicht im Vakuum. Ein paar stressige Wochen im Job, schlechtes Wetter, etwas mehr Gras als geplant – und das Pferd sieht plötzlich anders aus als noch vor drei Wochen. Das ist kein Trainingsfehler, sondern Alltag. Der Pferdekörper reagiert darauf schneller, als uns manchmal bewusst ist. Starre Sattelsysteme hingegen werden immer für eine Momentaufnahme angepasst. Verändert sich das Pferd, bleibt der Sattel gleich – und passt damit oft schon nicht mehr. Dies gilt insbesondere auch bei den heutigen modernen Pferden, die durch hypermobile Strukturen oft eine grosse Differenz zwischen Stand und Bewegung mitbringen, stösst ein starrer Sattelbaum häufig an seine pyhsikalischen Grenzen.

Die Sache mit der Druckverteilung

Es ist absolut klar, dass ein baumloser oder Lederbaumsattel das Reitergewicht nicht in dem Masse gleichmässig auf dem Pferd verteilen kann wie ein fester Baum. Die Frage ist – wie viel Schutz braucht mein Pferd? Studien zufolge beginnt Gewebe ab ca. 3 N/m2 über einen Zeitraum länger als 45 Minuten Schaden zu nehmen. Besonders markant sind hier sog. Druckspitzen, die gerne vor allem dann entstehen, wenn starre Teile (Kopfeisen, nicht passende Sattelbäume, harte Polsterungen, aber auch Steigbügelaufhängungen etc.) Druck auf das Gewebe ausüben, weil sie nicht optimal zu den anatomischen Anforderungen des Pferdes passen.

Viele Pferde laufen zufriedener unter einem flexiblen Sattelbaum, der den Druck gleichmässig auf eine im Vergleich kleinere Fläche verteilt, als unter einem starren Sattelbaum, welcher - aus welchen Gründen auch immer - nicht optimal passt und nicht selten spätestens unter Bewegungsdynamik mit der Anpassungsfähigkeit an seine Grenze kommt (und somit unter Umständen Druckspitzen generiert).

Wichtig – unabhängig vom System

Auch flexible oder baumlose Sättel müssen regelmässig kontrolliert und angepasst werden.

Sie gehören immer in Kombination mit einer geeigneten Unterlage und individuell abgestimmten Einlagen verwendet, um die Wirbelsäule zuverlässig zu schützen.

Es hängt – neben dem Trainingszustand des Pferdes und dem Vermögen der Reiterin bzw. des Reiters – massgeblich davon ab, wie lange und in welcher Intensität Belastung auf den Pferderücken gebracht wird.

Ist das Pferd überhaupt in der Lage, diese Dauer gesund zu tragen (siehe auch: Gedanken zur Sattelanpassung )?

Fazit

It depends on! Es gibt keine schlechten Sättel und Systeme, nur Sättel, die nicht zum jeweiligen Pferd-Reiterpaar und Einsatzweck passen.